ARD/WDR-Recherche: Armenische Wettmafia in Deutschland aktiv - Bochumer Ermittler kritisiert Behörden und Fußballverbände

Köln (ots) - Die armenische Wettmafia ist auch in Deutschland aktiv. Das zeigen Recherchen des WDR für die ARD-Sportschau, die heute in der Doku "Akte Wettmafia" (Das Erste, 23.45 Uhr) zu sehen sind. Dem WDR wurde von einem Informanten eine Liste zugespielt, auf der 28 Wetten stehen, die innerhalb von drei Tagen durch Mitglieder der armenischen Mafia in Deutschland gesetzt wurden. Es wurde auf vermeintlich manipulierte Fußballspiele in Armenien und im asiatischen AFC-Cup gesetzt, ebenso auf Tennisspiele der Profitour der Damen und Herren sowie russische Handball- und Basketballspiele. Jede dieser 28 Wetten hat gewonnen. Nach Aussage des Informanten seien die Wettsyndikate in mehrere Ebenen unterteilt: unter den Paten stünden die sogenannten Fixer, die Sportler, Funktionäre und Schiedsrichter kontaktieren. Runner platzierten dann die Wetten in Wettbüros. "Wenn die Spiele kommen, dann schwärmen sie aus wie Bienen und wetten auf diese Spiele in verschiedenen Wettbüros, anonym. So läuft es dann in vielen Städten in ganz Deutschland ab", so der Informant, der zum eigenen Schutz anonym bleiben muss. Dass die armenische Mafia von Deutschland aus aktiv ist und in großem Stil Sportler besticht, bestätigt auch der Bochumer Ermittler Michael Bahrs, einer der renommiertesten Experten auf dem Gebiet Wettbetrug im Fußball. Armenische Tätergruppierungen seien hier am Werk, die sich in Deutschland mit Wettbetrug finanzierten, sagte Bahrs der ARD. Der Bochumer Ermittler kritisiert Behörden und Fußballverbände scharf. Vor zehn Jahren gehörte er nach dem größten Wettskandal der deutschen Fußballgeschichte zur Bochumer "Soko Flankengott" und erhält bis heute Hinweise auf vermeintlich manipulierte Spiele im In- und Ausland. Innerhalb dieser zehn Jahre habe sich "nicht wirklich viel Gutes" getan, so Bahrs. Sowohl die "Ermittlungsbehörden wie auch die Fußballverbände" seien bei diesem Thema nicht gut aufgestellt. "Da wird so gut wie gar nichts gemacht. Das sind Fakten." Dem widersprechen DFL und DFB. Sie setzten mit ihren Präventions- und Aufklärungsprogrammen "Maßstäbe". Michael Bahrs kritisiert in der Dokumentation auch die Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt BKA, spricht von einer "nicht zielführenden Zusammenarbeit". Alle Informationen über verdächtige Fußballspiele müssen an das BKA weitergegeben werden. "Dann höre ich nichts mehr davon. Ich weiß nicht, was dann am Ende mit diesen Fällen passiert", sagt Bahrs. "Akte Wettmafia" (ARD/WDR), Das Erste, 19.12.2018, 23.45 - 00.15 Uhr. Ein Film von Benjamin Best. Der Film ist ab dem frühen Nachmittag auf sportschau.de zu sehen. Foto: YFW Nachrichten und Newsportal


Von stadt4.0 - Community Münster am 20.12.2018 00:12

Aus Sport + Vereinsleben in Köln